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1956 – 1959

Rex Gildo: Der Schlagerkönig im Schatten des grellen Lichts

Rex Gildo: Der Schlagerkönig im Schatten des grellen Lichts

Statistiken lügen nicht – und im Fall von Rex Gildo zeichnen sie das glasklare Bild einer absoluten Ikone des deutschen Showgeschäfts. Wer ihn heute rückblickend nur auf seine legendäre »Fiesta Mexicana« reduziert, unterschätzt diesen Ausnahmekünstler gewaltig. Rex Gildo war kein One-Hit-Wonder, er war ein Phänomen. Allein zwischen den Jahren 1962 und 1980 platzierte er über zwei Dutzend Songs in den begehrten BRAVO-Charts – das waren statistisch gesehen sogar mehr Hits als bei seinen hochkarätigen Kollegen Roy Black oder Udo Jürgens. Unvergessen bleibt sein Triumph im Jahr 1962, als er mit dem Ohrwurm »Speedy Gonzales« sensationelle zehn Wochen lang ununterbrochen an der Spitze der Charts stand. Dazu kamen die fröhlich-frischen Duette mit Gitte Hænning als Traumpaar der Nation oder mit Conny Froboess sowie spätere Schlagerkracher wie »Marie, der letzte Tanz«, »Love a little bit, Melinda« oder das rhythmische »Borriquito«.

Auch auf der Kinoleinwand war Rex Gildo eine omnipräsente Instanz. Er spielte in zahlreichen schlichten, musikalisch angehauchten Klamaukfilmen der Wirtschaftswunderzeit, die genau das taten, was das damalige Publikum von ihnen erwartete: unbeschwert unterhalten und den Alltag vergessen lassen. Seine Popularität war gigantisch. Vier goldene und silberne BRAVO-OTTOs, ein eigener, heiß begehrter Starschnitt und unzählige Magazin-Cover belegen eindrucksvoll: Rex Gildo war ein echtes Teenie-Idol, das sich selbst dann noch mühelos an der Spitze behauptete, als die wilde Beat-Welle aus England über Deutschland hineinbrach.

Doch hinter dieser makellosen Fassade aus absolutem Glanz, künstlicher Urlaubsbräune und einem stets perfekten, strahlenden Lächeln verbarg sich ein Mensch voller tiefer Zweifel und schmerzhafter Zerrissenheit. Seine Homosexualität war in Branchenkreisen ein offenes Geheimnis, doch Rex schwieg eisern in der Öffentlichkeit – getrieben von der permanenten Angst vor dem totalen Karriereverlust und dem gesellschaftlichen Druck einer prüden Epoche, die ein solches Leben im Rampenlicht nicht verziehen hätte.

So wurde sein Leben zunehmend zu einer tragischen Scharade. Es folgten die Toupet-Zweitfrisuren, der schleichende Missbrauch von Alkohol und schweren Medikamenten, um dem unbarmherzigen Druck standzuhalten, und schließlich ein einsamer, quälender Abstieg aus der bunten Scheinwelt der Hitparaden.

Sein tragischer Tod im Oktober 1999 – nach einem Sturz aus dem Fenster seiner Wohnung, der offiziell als Suizidversuch gewertet wurde – wirft bis heute traurige Fragen auf. War es eine bewusste Flucht vor dem Älterwerden und der Bedeutungslosigkeit? War es pure Resignation? Oder vielleicht doch nur ein unglücklicher, tragischer Unfall unter Medikamenteneinfluss? Sicher ist am Ende nur eines: Rex Gildo war so viel mehr als nur ein lautes, partytaugliches „Hossa“. Er war ein zutiefst sensibler Mensch, der zwischen der unbarmherzigen Strahlkraft der Bühne und der bitteren Wirklichkeit des Lebens aufgerieben wurde – und uns doch über Jahrzehnte hinweg ein Lächeln schenkte, das wir bis heute nicht vergessen haben.

Hier ist der Link zum Video, das Rex Gildo noch einmal als großen Entertainer zeigt:

Rex Gildo in der ZDF Hitparade 1973