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1956 – 1959

pop – Der Schweizer Herausforderer im Schatten der BRAVO

pop – Der Schweizer Herausforderer im Schatten der BRAVO

pop – Der Schweizer Herausforderer im Schatten der BRAVO

Am 15. November 1965 erschien in der Schweiz eine unscheinbare Testausgabe einer neuen Musikzeitschrift. Sie kam ohne großes Budget daher, bot dafür aber ein spektakuläres, doppelseitiges Poster der Kinks und ein extrem ambitioniertes Vorhaben: Die von Jürg Marquardt mit gerade einmal 2.000 geliehenen Schweizer Franken gegründete Zeitschrift pop wollte dem übermächtigen deutschen Marktführer BRAVO Paroli bieten. Das Minimalziel lautete, zumindest dort zu punkten, wo die deutsche Konkurrenz gigantische blinde Flecken hatte: beim sträflich vernachlässigten Schweizer Musikpublikum.

Im allerersten Editorial erklärte der visionäre Jungverleger Marquardt das Ziel unmissverständlich:

„Die großen deutschen Showbusinesszeitungen ignorieren den schweizerischen Musikmarkt vollständig. Deshalb wollen wir versuchen, mit pop diese Lücke zu schließen.“

Der Mut des jungen Teams zahlte sich aus. Schon ab März 1966 erschien pop monatlich und entwickelte sich rasant vom regionalen Nischenprodukt zum ernstzunehmenden Printphänomen. Nur zwei Jahre später, 1968, wagte man den Sprung über die Grenze: Eine fast identische deutsche Version wurde lanciert, um die BRAVO auf eigenem Terrain anzugreifen.

Der eigentliche kommerzielle Durchbruch gelang jedoch – wie Mitbegründer Beat Hirt später oft betonte – erst durch einen genialen Marketingkniff: Man legte jeder einzelnen Ausgabe ein riesiges Star-Poster bei. Dieses visuelle Erfolgsrezept traf den Nerv der damaligen Jugendzimmer-Kultur im Sturm. Die Teenager rissen den Kiosken die Hefte förmlich aus den Händen.

Der Expansionskurs und die Fusionen

Ab 1972 wurde die Schlagzahl massiv erhöht. Die Erscheinungsfrequenz stieg auf bis zu 26 Ausgaben jährlich – teils als Doppelnummern konzipiert. In den späten 1970er-Jahren setzte in der Medienlandschaft jedoch ein Konsolidierungsdruck ein. 1980 folgte für das Magazin die erste große Fusion: pop ging mit der erfolgreichen niederländischen Musikzeitschrift Popfoto zusammen.

Doch das war erst der Anfang einer wilden Konsolidierungswelle. Nur wenige Monate später kam es zur nächsten strategischen Verschmelzung – diesmal mit Rocky, einer Jugendzeitschrift, die ihrerseits bereits Das Freizeit Magazin geschluckt hatte. Das fusionierte Endprodukt hieß schließlich pop/Rocky und stieg in den folgenden Jahren zum erfolgreichsten und härtesten Verfolger der BRAVO auf dem gesamten deutschsprachigen Markt auf.

Zwischen Kopie und französischem Lebensgefühl

Inhaltlich glich pop dem großen Rivalen aus München vor allem in den Anfangsjahren sehr stark. Das Magazin bediente die gesamte Klaviatur des damaligen Jugendjournalismus:

• Kultige Fortsetzungs-Fotoromane • Aktuelle Songtexte zum Mitsingen und Hitparaden-Charts • Die legendäre „Hammerwahl“ (das Pendant zu den BRAVO-Ottos) • Ein einfühlsamer Kummerkasten namens „Liebe Brigitte“ • Sammelbare Pop-Lexikon-Beiträge und mutige Aufklärungsserien

Trotz dieser unübersehbaren Parallelen in der Rubriken-Struktur verwehrte sich die Redaktion stets gegen den Vorwurf, bloß ein billiges Plagiat zu sein. Beat Hirt betonte noch Jahrzehnte später stolz die gestalterische Eigenständigkeit und den gänzlich anderen kulturellen Spirit des Hefts:

„Unser großes Vorbild war das französische Magazin ‚Salut, les Copains!‘ mit seinem unbeschwerten, pop-kulturellen Flair – das eher steife, germanische BRAVO-Konzept hingegen war für uns immer das negative Beispiel.“

Ein bleibendes Denkmal der Popkultur

Insgesamt brachte es pop in seiner rund 15-jährigen Ära als eigenständiges Magazin auf stolze 249 Ausgaben – die allererste Nullnummer von 1965 bereits eingerechnet.

Heute, Jahrzehnte nach dem Ende des Magazins, haben die gut erhaltenen Hefte einen beachtlichen Kultstatus erreicht. Wegen ihrer zeitgenössischen Ästhetik und der oft riesigen, unbeschädigten Riesenposter sind sie auf dem Sammlermarkt heiß begehrte Objekte. Unter Popkultur-Nostalgikern und Archivaren werden historische pop-Ausgaben heute wie rare Schätze gehandelt – als gedruckte Zeugen einer wilden, analogen Jugendzeit.